Die Social-Media-Falle

Das Gezwitscher innerhalb des sofortigen Telegramms und im Gesichtsbuch (um nur die Grossen zu nennen) kann nervtötend sein. Dennoch ist eine moderne Unternehmenskommunikation – mittlerweile ebenso im Business-to-Business – kaum noch ohne die sozialen Medien zu führen. Zumindest muss man sich als B2B-Firma gut überlegen, ob Social-Media-Massnahmen zum Gesamtpaket gehören sollten oder ob man dieser Welt mit dem eigenen Unternehmen bewusst fernbleibt. Beides ist berechtigt, denn die Strategie und die darauf aufbauende Idee definieren (nach alter Werberweisheit) die Kanäle und nicht umgekehrt.

In der Praxis jedoch werden wir tagtäglich von Botschaften massakriert, die weder auf einer erkennbaren Strategie basieren noch einer klaren Idee entspringen: Langweiliger kann Unternehmenskommunikation nicht sein. Dass dies nicht nur in den sozialen Medien eine Realität ist, sei dahingestellt – besser lässt sich Geld nicht vernichten.

Da aber heutzutage kaum einer Verantwortung übernehmen will und alles innerhalb von Kommunikationsgremien inklusive Praktikanten und Assistenten verhandelt wird, leben wir in einer Wischi-waschi-alles-muss-allen-recht-sein-Werbewelt. Dass Kommunikation Chefsache sein sollte, scheint vergessen, aber das ist eine andere Geschichte …

Drei Thesen weisen bei Social Media in die passende Richtung: Kommunizieren Sie Inhalte und keine reine Werbung; solange Sie keine Wertschöpfung generieren, bleibt alles reine Dichtkunst; wenn Sie wenig Ahnung vom Thema haben, ist es Redesucht.

Oder anders ausgedrückt: Sie brauchen Inhalte, die (1) Fachkompetenz beweisen, (2) nicht als Werbung wahrgenommen werden und (3) Mehrwerte generieren.

Dass dies oft der Quadratur des Kreises gleichkommt, ist klar.

Aber: Wenn’s einfach wär’, hätten Sie kaum bis hierhin gelesen!

«Animierter Mist» und andere Schönheiten

Erinnern Sie sich noch, als Websites mit Flash «zum Leben» erweckt wurden? Alles blinkte, war schick, modern und total «in». Benutzerfreundlichkeit wurde dabei von manch hipper Agentur und selbst ernannten Webgurus gerne in die Schublade alternder Webent­wickler und Ewiggestriger gesteckt und belächelt. Nach fast 30 Jahren Siegeszug des Internets in allen gesellschaftlichen Schichten und auf der ganzen Welt haben viele Technologien überlebt; «Flash» jedoch gehört nicht dazu.

Dass die damalige Technik eine «CPU-Sau» war, wie Steve Jobs in einem Gespräch an der Wall Street bemerkte, sei zwar erwähnt, allerdings nicht weiter kommentiert (obwohl eben diese Aussage für viele Menschen Apple wieder auf Sympathiekurs brachte).

Das zentrale Problem hat sich aber nicht mit dem Niedergang von Flash erledigt, sondern erlebt mit anderen technischen Möglichkeiten in etlichen Netzauftritten (leider) eine Renaissance tot gehoffter Spielereien oder «Animatiönchen». Damit sei mit keiner Silbe gesagt, Firlefanz sei per se schlecht (obwohl das Wort schon einiges aussagt, nicht?).

Unabhängig von allen Technologien bleiben die grundlegenden Fragen beim Erstellen von Websites und Webapplikationen: Was ist die Botschaft, und wie erreiche ich damit schnellstmöglich meine Zielgruppe? Die Geschwindigkeit ist dabei kein sinnloses Füllwort, sondern zentral und essenziell bei der Konzeption, dem Aufbau und Betrieb zielgruppengerechter Internetauftritte.

«Krimskrams und sonstigen ‹animierten› Mist», wie von einem hochdekorierten Webkonzepter (unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. seiner beratungsresistenten Kunden) messerscharf analysiert wurde, «kannst du knicken, wenn deine Website soliden Inhalt hat.»

Punkt und Amen.

Keine Frage? Falsche Frage!

Sie freuen sich über täglich 400 Besucher in Ihrem Laden – phänomenale fünf Minuten bleiben sie durchschnittlich in Ihrem Geschäft, laufen mehrmals durch die Regalreihen und begutachten verschiedentlich die Produkte.

Das sind beeindruckende Zahlen.

Wissen Sie auch, wie viele Produkte am Ende des Tages verkauft wurden? Und ob etwaige Kunden sich bei Ihrem Personal um weitere Informationen bemüht haben? Oder ob sich irgendjemand von Ihrer Rabattaktion überzeugen lassen hat? Immerhin war das lustige Plakat an der Eingangstüre nicht billig, und zudem mussten Sie für die Aktion die Logistik sicherstellen und zusätzlich die Agentur beauftragen.

Selbstverständlich wissen Sie das alles genau: Sie sind glücklicherweise kein Idiot und überprüfen im echten Leben penibel Ihre geschäftlichen Aktivitäten. Alles andere wäre nicht nur unprofessionell, sondern der eigenen Belegschaft gegenüber ein Verbrechen.

Aber haben Sie über Ihre Website die gleiche Kontrolle?

Beängstigend, wie oft Messwerte aus Websites «irgendwie» ausgelegt werden, ohne die richtigen (oder überhaupt!) Fragen zu stellen.

Denken Sie, viele Websitebesucher seien ein Qualitätsmerkmal Ihres Webauftrittes, die Aufenthaltsdauer sage irgendetwas über den Besuch aus, die Anzahl der besuchten Seiten sei mit Interesse zu erklären und eine hohe Absprungrate bedeute das Ende der Welt …? Wissen Sie das alles oder vermuten Sie es nur?

Statistikprogramme faszinieren mit Zahlenreihen, farbigen Tabellen, Kuchendiagrammen und schier endlosen Daten.

Ohne die richtigen Fragen sind Statistiken jedoch unbrauchbar. Erinnern Sie sich daran: Ich esse zwei Brote, und Sie erhalten keinen Bissen davon. Statistisch betrachtet haben wir beide je ein Brot gegessen – in der Realität sind Sie aber verhungert.

Und ich wurde fett.