«Sichtbar» ist nicht «auffindbar».

Ein Lager, randvoll, aber ohne Ordnung: Alles ist vorhanden, doch nichts ist greif- oder gar erst auffindbar – weil Struktur und Wegweiser fehlen, weil Etiketten nicht vorhanden sind …

So sieht tatsächlich die digitale Aufstellung vieler Schweizer KMUs aus: Das Angebot ist da, die Produkte sind gut, der Auftritt ist gepflegt – doch die Substanz dahinter (etwa Preise, Konditionen, Spezifikationen) ist auf Darstellung optimiert und nicht auf Anschlussfähigkeit. Das ist für Menschen zwar gut les- und interpretierbar, für Systeme und «Agenten» (maschinell) jedoch ein fast undurchdringbarer Dschungel.

Und genau dort verschiebt sich gerade der Markt.

Der nächste Einkäufer liest keine Landingpages mehr und schaut sich keine schönen Bilder an – er verhandelt mit Systemen, crawlt Daten und gleicht diese mit Anforderungen, Statistiken, Lieferzeiten, Preisen, Spezifikationen und Konditionen ab.

«Agentic Commerce» nennt sich diese Entwicklung: KI-Agenten, die Beschaffung nicht nur – wie heute bereits – unterstützen, sondern weitgehend autonom ausführen. Sie suchen, vergleichen, terminieren, rapportieren und können, sofern sie die entsprechende (Achtung, Buzzword:) «Machine-to-Machine Authorization» besitzen, selbstständig bestellen.

Das verändert die Logik von Wettbewerb.

Ein agent interpretiert Daten nicht wie ein Mensch, sondern ist darauf ausgelegt, Unsicherheiten auszuschliessen. Er entscheidet sich für das Angebot, das eindeutig, vollständig und maschinell verwertbar vorliegt – also eben nicht für das schönste, sondern für das anschlussfähigste.

Das ist keine IT-Frage, es ist eine Führungsentscheidung: Wer am Auftritt feilt, während die Daten ungeordnet bleiben, verliert seinen Marktzugang.

«Sichtbar» bedeutet heute nicht mehr «auffindbar».

25 Jahre!

Als wir 2001 anfingen, ging es im Internet vor allem um eines: um Präsenz.

Heute, 25 Jahre später, ist vieles komplexer, anschlussfähiger und dynamischer geworden.

Nicht nur haben sich Verhaltensweisen von Menschen geändert, sondern – welch Glück – auch Geschäftsmodelle, Arbeitsprozesse, Abhängigkeiten und Bedürfnisse.

Pünktlich zu unserem Agenturjubiläum hat uns Matthias Ackeret vom Branchenmagazin «persönlich» auf den Zahn gefühlt. Entstanden ist ein Gespräch über die Internetblase, über fehlende Luftschlösser, die Integration von künstlicher Intelligenz und die Frage, warum wir bei Bernardini + Schnyder Budgets lieber verkleinern als vergrössern.

Und ja, Reto und ich können uns auch mal drei Tage anschweigen. Aber wenn es brennt, stehen wir auf der Matte.

Wir haben das Interview und ein paar Gedanken auf einer kleinen Landingpage zusammengefasst. Das komplette Gespräch gibt es dort auch als PDF zum Download:

→ Hier geht es zur Jubiläumsseite.

→ Und wer uns noch nicht auf LinkedIn folgt, klickt hier.

Um was geht’s überhaupt?

In einem alten Disney-Comic – wahrscheinlich eher aus italienischer denn aus amerikanischer Feder – begräbt Dagobert Duck die Panzerknacker unter Bergen aus Briefen, Schreiben und eingeschriebenen Sendungen: Eigentlich alles belanglos, jedoch mittendrin das eine entscheidende Dokument – und genau das übersehen sie!

Relevanz ist das Stichwort.

«Weniger veröffentlichen, dafür besser» ist eine bemerkenswerte Bewegung in Wissenschaft und Journalismus, die dazu aufruft, Qualität, Tiefe und Wirkung vor endlose Quantität zu stellen. Was sich als eine Absage an Spam und überbordende Inhalte künstlicher Intelligenz liest, ist im Endeffekt ein Plädoyer für Relevanz und Verantwortung.

Relevanz besagt, dass nicht alles, was gesagt werden kann, auch tatsächlich Öffentlichkeit braucht. Das Einfachheitsprinzip lässt grüssen: Botschaften zu reduzieren, ist kein Wunschdenken, es ist in unserer lauten und informationsüberfüllten Welt Pflicht gegenüber und Dienst an der Leserin und dem Empfänger.

Dafür muss man Verantwortung übernehmen und sich nicht hinter Prozessen, Zuständigkeiten, Alternativen und Technologien verstecken: «Enge ich ein, schliesse ich nicht aus», erklärte mir mein Vorgesetzter in den 90er-Jahren.

Der Satz klingt nach, nicht wahr?

Wer Verantwortung übernimmt, geht sorgfältiger mit Inhalten um – weil Relevanz zwar im Briefing stehen mag, aber tatsächlich und am Ende allein (!) ein Urteil der Empfängerin und des Lesers ist.

Verstehen.

Gewichten.

Weglassen.

Verdichten.

Verantworten.