«Intelligenz» ist das neue «Automation».

Firmen investieren in Automatisierung, künstliche Intelligenz und Prozessoptimierung – Systeme, die per Definition präzise und effizient arbeiten. Doch das allein schafft keinen Vorsprung mehr, denn wenn alles gleich schnell, gleich sauber und gleich automatisiert ist, zählt im Endeffekt, wie gut ein System den Handlungskontext eines Menschen versteht.

Userinnen und Nutzer zu verstehen und deren Vorhaben bestenfalls gar zu antizipieren, senkt Abbruchraten, beschleunigt Entscheidungen und reduziert Aufwand im Kundendienst: Abläufe werden verständlicher, Kommunikation klarer, Systeme nachvollziehbarer, der Klick schneller, die Zufriedenheit grösser und damit der Prozess effizienter.

Für die Planung digitaler Kontaktpunkte bedeutet dies, dass das Nutzerverständnis in die Konzeption – oder am besten bereits in die strategischen Überlegungen – integriert werden muss und nicht erst im Design oder im Mock-up berücksichtigt werden sollte. Konzeptorientiertes Design bedeutet, digitale Räume so zu gestalten, dass sie Absichten erkennen, Erwartungen nachvollziehen und auf reale Nutzungssituationen reagieren: intelligent eben.

Dazu braucht es im geschlossen-digitalen Ökosystem drei Ebenen: Konzeptionelles Denken antizipiert Nutzerinnenverhalten; Daten zeigen, was geschieht; und die richtigen Fragen machen aus Daten Antworten. Und wenn sich etwas nicht ausschliessen lässt, gibt es auch noch den guten alten A/B-Test.

Surfende und Interessierte zu verstehen, steht nicht im Gegensatz zur Automatisierung, wo Masse Klasse ist: Das Verständnis ist – streng genommen – sogar die Voraussetzung für Automation. Es braucht aber insofern einen Gedankenwechsel, als eben Automatisierung nicht zwingend «weniger» heisst, sondern «besser» bedeuten kann.

Warum wollen Sie überhaupt eine Website?

Die klassische Logik im Websitegeschäft und in der Suchmaschinenoptimierung war: sichtbar sein, Klicks gewinnen, Kunden binden. 

Heute aber geben Benutzerinnen ihre Fragen nicht mehr nur bei Google und Bing ein, sie stellen sie vermehrt auch an ChatGPT, Perplexity, Siri, Alexa, Gemini und Claude. Und diese Systeme entscheiden, welche Marken überhaupt Teil der Antwort werden. 

Der Klick auf eine Website ist da bereits die Ausnahme. Womöglich ist das provokativ formuliert, aber – Hand aufs Herz! – wer klickt noch weiter, wenn in den Suchergebnissen die KI bereits alles zusammengefasst hat? 

Das Web, wie wir es kannten, scheint sich in künstlicher Intelligenz aufzulösen. 

Warum also noch eine Website? 

Weil sie das Fundament bleibt.

Sie ist die Quelle, auf die sich Suchmaschinen, KI-Modelle und digitale Assistenten stützen. Sie ist neben Newslettern (noch) einer der einzigen digitalen Räume, die komplett der Unternehmenskontrolle unterliegen, selbst gestaltet und mit guter Qualität und klaren Unternehmensbotschaften gefüllt werden können. 

Ohne eine Website ist eine Firma ein Name ohne Nachweis. 

Zudem bleibt die Website die erste Adresse, wenn interessierte Mitarbeiter sich bewerben wollen, Konsumentinnen durch Produktangebote surfen oder potenzielle Kunden und bestehende Partnerinnen die Ansprechpersonen sehen möchten. 

Aber die Webpräsenz ist tatsächlich nicht die bunte Broschüre oder eine SEO-Trickkiste, sondern Referenzpunkt und Leuchtturm in unruhigen Gewässern: präzise formuliert, semantisch klar – und mit Inhalten, die nicht nur Menschen überzeugen, sondern die auch Maschinen als glaubwürdig erkennen. 

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Brauchen Sie eine Website? Sondern: Ist Ihre Website stark genug, um im 21. Jahrhundert zu brillieren? 

Messen, was sinnvoll ist.

Websites, Apps und eigentlich alle digitalen Inhalte lassen sich heute bis ins kleinste Detail beobachten, messen, tracken und analysieren – mit Zahlen, Tabellen, Grafiken, Stichwortwolken und Pfeilen.

Es wird derart viel gemessen und getrackt, dass einem angst und bange werden könnte – als ob die Zehengrösse des Menschen mit der Automarke oder dem Portemonnaie korrelieren könnte.

Viel wichtiger (!) als die Befassung damit, was noch alles messbar sein könnte, ist aber die Frage, was das Geschäft tatsächlich voranbringt. Entscheidend ist, ob eine Website oder eine Applikation neue Kontakte anzieht, echte Leads generiert, die auf das Unternehmen einzahlen, Vertrauen aufbaut, Produkte in die engere Wahl rückt oder gar verkauft.

Alles andere bleibt Nebengeräusch.

Oft werden etwa Zahlen präsentiert, die genau eines aussagen: gar nichts. 10675 Hits und 1375 Besucher? Fein – und wie viele haben das Kontaktformular abgeschickt, wie viele etwas eingekauft? Ausschlaggebend ist nicht die Zahl derer, die auf der Shop-Seite waren, sondern: Wie viele haben gekauft? Wie oft wurde der Kaufprozess abgebrochen? Warum haben manche nichts (!) in den Warenkorb gelegt?

Die grosse Kunst liegt darin, die richtigen Trackings zu setzen – denn nur so entstehen Analysen, die wirklich aussagekräftig und geschäftsrelevant sind.

Voraussetzung für Erfolg ist ein Team, das Verantwortung übernimmt, die richtigen Fragen stellt, Muster erkennt und bereit ist, Ergebnisse gegenüber der Geschäftsleitung und gegen deren eigene Hypothesen zu vertreten.

Denn eine Website ist kein Nice-to-have, sie ist ein strategischer Hebel.

Wer misst, muss seine Website auch kontinuierlich dahin gehend verändern, dass sie dem Geschäftsmodell dient – und nicht hübschen farbigen Balken.