Vertrauen.

Vier Liter Superbenzin habe ich getankt. Nicht, weil ich das innovativste Vierliter-Auto besitze, sondern weil auch vier Liter Superbenzin aus meinem Selbstzünder keinen Superdiesel machen, sondern immer einen ungewollten Stillstand: Entweder man merkt es vor dem Zünden des Motors oder aber der Motor meldet es mit einem sprichwörtlichen Motorschaden beim Fahren. Ich hab’s nach wenigen Sekunden, vier Litern und sechs Euro bemerkt. Danach folgten gefühlte vier Milliarden Fluchworte.

Nun bin ich in Thalwil oberhalb einer Tankstelle aufgewachsen und ich meinte mich zu erinnern, dass man früher im Winter ein paar Liter Benzin zum Diesel mischte. Also, dachte ich, sollten vier Liter auf eine Vollbetankung von 65 Litern keinen wahnsinnigen Einfluss haben. Ich nahm mein Handy zur Hand und suchte nach „Idiot Benzin Diesel“, was komischerweise nichts ergab. Die Suche nach „Benzin in Diesel getankt“ war erfolgreicher. Die TCS-Seite schreibt: Alte Autos – kein Problem; neue Autos – Stopp, aus & Amen.

Ich telefonierte, ein Abschleppdienst kam, sah, schmunzelte und schleppte uns in die nächste Garage nach Darmstadt. Während der Fahrt suchten wir online nach einem Hotel.

Abends ging mir durch den Kopf, dass ich – hätte ich ein Auto aus den 80er Jahren gehabt – den Tank nach meinem Missgeschick mit Diesel gefüllt und weitergefahren wäre. Dies, weil ich den Informationen auf der Website vertraute.

Wir empfinden Websites dann für vertrauenswürdig, wenn man die inhaltliche Glaubwürdigkeit überprüfen kann, der Absender erkenn- und identifizierbar ist, das Design dem Inhalt folgt, die Seiten einfach und funktional aufgebaut sind, die Informationen aktuell sind und keine offensichtlichen Fehler aufweisen. Und wenn dann noch Mitarbeiter zu sehen sind, welche die professionelle Glaubwürdigkeit untermauern, schliesst sich der Kreis.

Gut habe ich meiner Erinnerung misstraut.

 

Bilderflut.

Vor wenigen Wochen habe ich den Filmklassiker „die zwölf Geschworenen“ aus dem Jahre 1957 geniessen dürfen. Ein Film, der bereits nach wenigen Minuten Spielzeit mehr Geschichten und noch mehr Charakterzüge beschreibt, als manch‘ Hollywood- oder RTL-Blockbuster der letzten zwanzig Jahre. Die eindringliche Ruhe der Kameraführung, die klaustrophobische Stimmung im überhitzten Raum und die intelligenten Dialoge haben mich schwer beeindruckt. Und das bei jemandem, der mit Sony-Röhrenfernseher, C64-Spielen und dem Internet gross geworden ist.

Die ständige und ununterbrochene Bilderflut im Internet ist eine Qual. So definiert Jay Bear (Internetautor und Querdenker) den alltäglichen Bildersturm gar als „visuelle Umweltverschmutzung“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf bzw. den Nerv der Zeit. Wenn nämlich die Zeit zu fehlen beginnt, dann sind wir schon mehr als nur überflutet – wir ertrinken förmlich. Vielfach wird mittlerweile der tägliche Bildersturm mit der modernen Zivilisationskrankheit „E-Mail“ verglichen. Wir beginnen Bilder auszublenden, sehen auf Websites nur noch Farben und Schatten – ohne Drogen! – und suchen verzweifelt nach Inhalten.

Es mag sein, dass ein Bild mehr als tausend Wort sagt. Aber wenn Sie keine Botschaft haben, dann wird auch kein Bild die Leere zu füllen wissen – sondern schlicht als ungeliebten Platzhalter sein Dasein fristen. Ein guter Text kombiniert mit einem guten Bild ist die Königsdiziplin. Keine Frage. Aber dennoch ist es immer noch so, wie es mir Reinhold Weber in den tiefen 90er Jahren beibrachte: „Ein guter Text braucht kein Bild.“

Seien Sie daher sparsam mit dem Einsatz von Bildern im Webauftritt. Wenn Sie nichts zu sagen haben, dann halten Sie besser die Klappe. 😉

Was uns faktisch wieder zum Film führt:
Klappe und „The End“.

Schnell, einfach, erfolgreich.

Beim Siegeszug der Eisenbahn im 19. Jahrhundert warnten Wissenschaftler davor, dass die hohen Geschwindigkeiten – damals fuhren die Eisenkolosse ziemlich schnelle 30 km/h – für Passagiere gefährlich sein könnten. Man sprach von der Eisenbahnkrankheit, die zu Gehirnverletzungen oder zum Erstickungstod führen könnte. Welch Glück haben sich die Befürchtungen von damals nicht bewahrheitet.

Gleichwohl bleiben hohe Geschwindigkeiten in vielen Dingen ein gesundheitliches Risiko. Denn auch wenn alles schneller wird und man immer mehr Tätigkeiten in immer weniger Zeit reinpackt, bleibt am Ende des Tages trotzdem nicht mehr Zeit für uns übrig: Wir fliegen schneller, also reisen wir weiter weg; die Nachrichten werden immer häufiger aktualisiert, also klicken wir uns öfter in die Medienwebsites; die Kunden möchten alles gestern geliefert haben, also arbeiten wir bis in alle Nacht hinein, das Verkaufsgespräch endet in einer weiteren Offertenrunde, also formulieren wir übers Wochenende ein neues Angebot. Dass wir dabei krank werden, merken wir erst, wenn es zu spät ist.

Bei Websites hingegen gilt eine hohe Verständnisgeschwindigkeit – wie schnell sich ein Websitebesucher orientiert, wie einfach die Website zu verstehen ist und wie viel der Besucher sich dabei merken kann – als das wichtigste Kriterium für Benutzerfreundlichkeit überhaupt.

Versteht ein Besucher eine Website nicht auf Anhieb und kann er sich nicht orientieren, so kann das tatsächlich ausserordentlich unangenehme Stress-Symptome auslösen. Eine benutzerfreundliche Website ist daher nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern hilft auch allgemein der Gesundheit von Websitebesuchern.

Die Krankenkassen werden es Ihnen danken.