Und da sah Rotkäppchen, dass es gut war.

Um Aufmerksamkeit zu erregen, bedarf es mehr, als nur Informationen und Fakten vorzulegen. Mit guten Geschichten können Zielgruppen auch heute unterhalten und angesprochen werden. Die Methode dazu heisst „Storytelling“.

Dass im Titel etwas nicht stimmt, fällt augenblicklich auf. So etwas hat das Rotkäppchen nie gesagt: Die Kleine unterhielt sich mit dem Wolf, wunderte sich später im Märchen über das Aussehen ihrer Grossmutter, erkannte den Wolf nicht und wurde gefressen.

Stopp! Darum geht’s doch in diesem Artikel gar nicht?

Da haben Sie natürlich Recht – aber der Titel verführt zum Lesen. Geschichten schaffen Bilder in unseren Köpfen, lösen Emotionen aus und lassen sich gut merken. Unbewusst ist sofort klar, dass der Titel nicht stimmen kann. Denn die Welt wurde – welch‘ Glück – von jemand anderem als dem Rotkäppchen geschaffen.

Aber hätte der Artikel mit einer sachlichen Einleitung – zum Beispiel: „Beim Storytelling, das im weitesten Sinne eine Disziplin des Content-Marketings darstellt, werden Geschichten erzählt“ – angefangen, wäre wohl einfach umgeblättert worden. Der Begriff „Storytelling“ ist auch mit wenig Vorkenntnissen gut zu verstehen: Es geht um Geschichten.

Aber diese Erkenntnis wird kaum irgendeinen vom Stuhl hauen. Die Frage sei daher erlaubt, warum die Storytelling-Methode so hochgejubelt wird.

Die Antwort ist beängstigend einfach: Die Methode bedeutet einen Paradigmenwechsel in der klassischen Unternehmenskommunikation und eröffnet neue Möglichkeiten: Die Einweg-Kommunikation des letzten Jahrtausends ist heute nicht mehr gefragt, aber auch die einfache Produkt- oder Dienstleistungskommunikation der letzten Jahre hat ausgedient. Um Kunden und Geschäftspartner zu erreichen, sind heutzutage gute Geschichten gefragt. Das tönt einfacher als es ist, denn Unternehmen haben den Drang, aus den eigenen Produkten und Dienstleistungen massenhaft lustige, drollige, spassige und humorvolle Geschichten zu basteln, dabei ins Sinnlose ausufern und mit Mehrfachwiederholungen den Leser quälen. Oder anders formuliert: Dass man Mamma und Papa zuhören soll, haben viele Kinder beim Rotkäppchen gelernt und nicht beim wiederholten „Jetzt pass aber auf!“ vom Papa.

Unter Storytelling versteht man die Kunst, Unternehmen und Produkte oder Dienstleistungen in Geschichten zu verpacken und diese pointiert zu formulieren, so, dass sich die anvisierte Zielgruppe angesprochen fühlt. Dabei gilt es im Detail (und im Voraus) zu analysieren, was die Adressaten interessiert, denn die eigene Produkt- und Dienstleistungsliste mag für die Geschäftsleitung und die Produktmanager den ganzen Firmenstolz darstellen, aber für die Leser ist es sicherlich interessanter, was mit ebendiesen Produkten oder Dienstleistungen gemacht bzw. gelöst bzw. erlebt werden kann. Das ist letztlich der Grundgedanke beim Storytelling: Mit der Methode erarbeitet man das Raster für Geschichten, die dann Werte transportieren, Wissen vermitteln, Visionen skizzieren und Produkte gegenüber der Konkurrenz abgrenzen. Das schafft keine Hochglanz-Produktbroschüre und auch kein benutzerfreundlicher Dienstleistungsnavigator auf der Website.

Beispiel? Ein Tunnel ist ein paar Kilometer lang und beim Tunnelbau wurden mehrere Kilometer asphaltiert und nun kann man durch den Tunnel fahren. Das mag zwar sachlich richtig sein, ist aber dennoch langweilig. Es gäbe einige spannendere Geschichten, die man über einen Tunnel erzählen könnte: Es war ein Volksentscheid, der die Finanzierung sicherte; die Planung und der Bau waren eine ingenieurtechnische Meisterleistung, der Tunnel verbindet Menschen; es wachsen zwei Regionen zusammen; Menschen interagieren, Freundschaften werden geknüpft; der lärmige Verkehr über die Passstrasse ist Vergangenheit; die Natur wird geschützt, seltene Tierarten kehren zurück; mit dem Aushub wird das Matterhorn erhöht, etc.

Mit der Storytelling-Methode wird die Kommunikation eines Unternehmens zu einer Geschichte, die sich auf Produkt-, Dienstleistungs-, Mitarbeiter- oder Unternehmensebene beliebig skalieren lässt. Fragen, die es zu beantworten gilt, sind beispielsweise: Was ist am Unternehmen interessiert? Was können die Produkte? Wo helfen die Dienstleistungen? Wie kann die Zielgruppe zur Interaktion involviert werden? Welche Fakten gibt es? Wieso passen die Produkte zur Vision des Unternehmens? Welche Mitarbeiter tragen zum Erfolg bei? Worauf basiert überhaupt der Grundgedanke des Unternehmens? Etc.

Erst dann wird eine Content-Strategie erarbeitet, welche die möglichen Inhalte der Unternehmenskommunikation kurz-, mittel- und langfristig plant, bündelt und für verschiedene Formen und Formate zur Ausarbeitung gibt. Dass die Content-Strategie dabei der übergeordneten Unternehmensstrategie entsprechen muss, versteht sich von selbst.

Erschwerend kommt sicherlich hinzu, dass im Zeitalter des Internets nicht nur eine Geschichte erzählt werden muss, sondern dass sie auch über die verschiedenen Kanäle und Formate in sich konsequent sein muss – ohne dabei den Konsumenten mit Wiederholungen zu langweilen. Gute Geschichten lösen Emotionen aus, unterhalten kurzweilig, sind nützlich und informieren sachlich.

Das macht eine erfolgreiche Unternehmenskommunikation im 21. Jahrhundert aus.

 

#ichbinalt.

Das Ding da oben nennt man „Hashtag“ und vereinfacht auf sozialen Netzwerken im Internet die Verschlagwortung eines Textes und ermöglicht das automatisierte Zusammenführen von Inhalten unterschiedlichster Quellen.

Wenn ich solche Sätze schreibe, dann frage ich mich zeitweise ernsthaft, ob ich mit dem Internet meinen Lebensunterhalt verdienen will. Aber wie sagt man so schön: Hättest was Gscheites gelernt, dann…

Ja, dann wäre ich steinreich, Putin hätte die Krim in Ruhe gelassen, es würden weltweit keine Kriege wüten, im Mittelmeer keine Menschen ertrinken und im Netz keine Kreditkartennummern geklaut: #friedeaufderwelt

Wenn Sie nun aber erwarten, dass ich schlecht über Hashtags schreibe, dann irren Sie sich. Mir gefällt das Hashtag-Konzept für eine bessere Auffindbarkeit im Netz.

Was mich aber stört, sind Einträge, die ein banales Ferienfoto mit den Etiketten #food #ferien #ichfindsgeil #miami #sogeil #wahnsinn #ichwarda #immerwiedergerne #freunde #yeah etc. verschlagworten. Da würde ich ohne Zögern alle virtuellen Doppelkreuze aus dem Bildschirm saugen, einen realen Morgenstern basteln und mit vollster Wucht in die digitale Sphäre zurückschlagen.

Während früher unter einem gewöhnlichen Sonnenuntergangsbild schlicht „Sonnenuntergang auf Madeira“ stand, so liest man heute #madeira #sonnenuntergang #beautiful #geil #ichwarda #ip6photo.

Dass eine solche Verhäschtägung für Maschinen und newssüchtigen Menschen Sinn machen kann, bezweifle ich nicht.

Gleichzeitig empfinde ich es als Zumutung. Denn im Grunde sagt mir jeder inflationäre #Häschtägger: Wichtig ist nicht, was Du (Mensch!) liest, sondern dass es gefunden wird.

Die Lösung? Zuerst einen treffenden Bildtitel formulieren und dann einen oder zwei Hashtags dazu.

Oder – mir zuliebe – auch nur den Bildtitel. 😉

Kaputtes Internet.

Ende der Neunziger Jahre demonstrierte ich meinem Bruder meine neuste Anschaffung: Ein Palm Pilot. Das war damals quasi das heutige Smart-Phone, jedoch ohne Telefon (und zudem war es langsam und wog gefühlte fünf Kilo).

Aber ich konnte meine Termine mit dem Computer abgleichen und hatte meine Zeitplanung im Griff. Meinem Bruder machte das wenig Eindruck. Er nahm seine urzeitliche Papieragenda zur Hand und warf sie gegen die Wand. Mit einer schwungvollen Handbewegung nahm er sie wieder vom Boden auf. Dann setzte er sich mit nicht zu überbietender Lässigkeit neben mich und fragte, ob das mein komisches „Ding“ auch überleben würde? Die Frage habe ich mittlerweile dutzendmal mit „Nein“ beantworten können.

Seit damals habe ich etliche Smart-Phones – im Sinne einer konsequenten und langjährigen Anti-Aggressionstherapie – gegen Wände aller Art geworfen. Dass keines je überlebt hat, liegt an meiner perfektionierten Wurfweise. Bei meinem letzten Wutanfall schleuderte ich es jedoch dummerweise gegen den einen Bildschirm im Büro, welcher rückwärts vom Tisch fiel und den zweiten Bildschirm gleich mitzog: Das war doof.

Es steht ausser Frage, dass intelligente Telefone, smarte Uhren oder mitdenkende Kleider aller Art unser Leben beeinflussen. Ob diese Dinge das Leben auch besser machen, steht nicht zur Diskussion. Wir haben uns dem technischen Fortschritt verschrieben: Programmierbare Geräte sind zu einer modernen (und kaufbaren) Religion geworden.

Ich bin nicht altmodisch, aber eine Zuschrift zur letzten Kolumne hat mich nachdenklich gemacht. Darin fragte mich ein Leser, ob das Internet uns nicht kaputt mache.

Das weiss ich nicht.

Ich weiss aber, dass wir dem Internet den Zugriff auf uns verwehren können. Und dazu braucht es dann und wann einen gezielten Wurf.

Der kann – ganz ehrlich – richtig gut tun.