Schar·la·tan, Schar·la·ta·nin

Ein Scharlatan ist jemand, der bestimmte Fähigkeiten oder Wissen vortäuscht. Bei Kindern ist das lustig: Sie erklären die Welt mit einer derart machtvollen Fantasie, dass man trotz besseren Wissens geneigt ist, ihrer Version Glauben zu schenken.

Aber Sie ahnen schon, dass ich nicht über Kinder schreibe.

Da ich mich vor ein paar Wochen während einer Sitzung derart aufgeregt habe, dass mein systolischer Blutdruckwert – aufmerksame Leserinnen und Leser erinnern sich – wieder in den rot-violetten 200er-Bereich hochschnellte, muss ich das in dieser Kolumne verarbeiten: Psychohygiene nennt sich das.

«Unsere Website wird nicht gefunden», war die knappe Aussage einer potenziellen Kundin. Wenn eine Website erst auf der vierten Suchergebnisseite aufgeführt wird, ist das faktisch einer Inexistenz im Suchuniversum gleichzusetzen.

Eine Kurzanalyse lieferte Antworten: kein Einleitungstext auf der Startseite, keine Anzeige der Navigation auf Unterseiten, schlechte Kontrastwerte zwischen Texten und Hintergründen, keine Seitentitel, mehrfach identische Meta Titles, keine Beschreibungstexte, keine strukturelle Gewichtung der Inhalte – und in den Meta Keywords eine Liste mit gefühlten 800 Wörtern.

Dass jeder Websitebetreiber tun und lassen kann, was er will, steht ausser Diskussion: Man darf auch ohne Köder fischen, sollte sich dann aber nicht wundern, wenn keine Fische anbeissen.

Wenn diese Fehler jedoch von einem «professionellen» Webdienstleister gemacht werden, grenzt das an Körperverletzung (mein Blutdruck – Sie erinnern sich …). Noch schwerer wiegt der Umstand, dass die eigene Inkompetenz mit Geldmacherei seitens der Konkurrenz zur Kompetenz erklärt wurde.

Das «A»-Wort wäre schön. Denken Sie es sich bitte, GANZ laut (und mit Ausrufezeichen).

Size matters überhaupt nicht (immer).

Dass Projekte mit verschiedenen Teams unterschiedlich ablaufen, ist eine Binsenwahrheit. Wo es für den einen Marketingleiter wichtig ist, dass man täglich Projektinformationen erhält, zählt für den anderen Teamverantwortlichen das Tagesgeschäft kaum, solange der Endtermin eingehalten wird.

Wie man eine Website oder eine App baut, wie man das Konzept definiert und formuliert, wie man ebendieses von der Gesamtstrategie ableitet und wie man eine solche gemeinsam mit dem Kunden erarbeitet, ist jeder professionellen Agentur klar.

Agenturen können den Fokus auf das Design legen, sich auf Inhalte spezialisieren, im Onlinemarketing unschlagbar sein, bei der Analyse von Geschäftsprozessen Unterstützung anbieten, sich auf spezielle Technologien festlegen oder sich durch Fachwissen, Professionalität und Geschwindigkeit profilieren.

Eine grosse Agentur kann alle Disziplinen anbieten – und muss dennoch nicht (immer) die richtige Wahl sein. Denn mit der Grösse wachsen möglicherweise die Overheadkosten, und Entscheidungswege werden länger.

Doch auch kleine(re) Agenturen bergen Eigenheiten und Gefahren. So könnte ein kleines Team ein grösseres Projekt eventuell durch krankheitsbedingte Ausfälle in Schieflage bringen – zumindest dann, wenn nicht durch adäquates Risk-Management vorgesorgt wurde. Allerdings kann das auch einem grösseren Team passieren.

Die Entscheidung, ob grosse oder kleine(re) Agentur, ist folglich immer auch eine Frage des Vertrauens in das Management und in die Fähigkeiten des Teams, in unvorhergesehenen Situationen richtig und im Sinne des Projektes zu handeln.

Je besser Sie als Auftraggeber ihr Projekt kennen, umso besser lässt sich abschätzen, was «wirklich» wichtig ist. Und Grösse zählt nicht immer dazu.

Wie im richtigen Leben eben.

 

Weil einfach einfach einfach ist.

Vereinfachungen sind eine schwierige Angelegenheit: Erst wenn man einen Sachverhalt versteht, wenn man die Zusammenhänge nachvollziehen kann und wenn man die Übersicht über alle Details hat, lässt sich etwas erklären.

Aber das ist eine Kunst.

Es ist die Fähigkeit eines Experten, ein bestimmtes Thema so zu erklären oder aufzuzeichnen, dass es alle interessierten Personen verstehen und dass sie später mit den erhaltenen Informationen weiterarbeiten können.

Wenn Sie nun – auf abstrakter Ebene – den «Experten» mit einer «Website» tauschen, dann liegt die beste Definition einer erfolgreichen Website vor. Eine gute Webpräsenz macht komplizierte Dinge für die Zielgruppen verständlich und vereinfacht das Leben der Konsumenten, weil sie Lösungen auf echte Probleme anbietet: Der Reisende sucht sein Hotel – das Reiseportal findet das Hotel; der Baudienstleister sucht Arbeiter – das HR-Portal vermittelt Mitarbeiter; die eigene Website wird nicht gefunden – der SEO-Experte kann das Problem lösen.

In der Schule beschrieb uns der Mathelehrer zuerst immer das Problem und baute dann die resultierende Lösung darauf auf.

Die gleiche Vorgehensweise lässt sich bei erfolgreichen – und gut auffindbaren – Websites beobachten. Internetauftritte dieser Art beschreiben (1) in kurzen Sätzen und aussagekräftigen Bildern ein mögliches Kundenproblem und bieten (2) gleichzeitig eine exakt auf den Problembeschrieb passende Lösung an, welche (3) folgerichtig auf die Zukunft (beispielsweise langfristig, kostengünstig, qualitätssichernd, serviceorientiert, garantiert etc.) ausgelegt wird. Abgerundet wird das Informationspaket («das Angebot») mit einem Kompetenzbeweis, sprich den Referenzen, welche die publizierten Informationen als «wahr» und «echt» bezeugen.

Beginnen Sie beim Problem und lösen Sie es: So einfach ist das.