Sind die GDPR Schrott?!

Mit den neuen Datenschutzbestimmungen der EU («GDPR») beschäftigen wir uns als Webagentur und Dienstleister seit mehreren Monaten, und seit ein paar Wochen haben die Schweizer Medien das Thema entdeckt. Die Bestimmungen sind ab dem 25. Mai 2018 Gesetz.

Wenn Sie annehmen, dass ich in dieser Kolumne das GDPR scharf kritisiere, täuschen Sie sich: Ja, natürlich, es ist ein Moloch, es ist zu kompliziert formuliert, und man hätte es einfacher machen können. Aber Datenschutz ist kein Selbstzweck einer Behörde – wie man bei der Eurobanane denken oder der legendären Gurkenverordnung hatte denken können –, sondern das Recht auf Einsicht, Änderung und Löschung der personenbezogenen Daten eines jeden Bürgers. Und das betrifft ausnahmsweise nicht (nur) das Leben der anderen.

Nicht die GDPR sind das Problem, wie mancher Kritiker lauthals poltert, sondern die Unternehmen, die unser Datenmaterial missbrauchen, Krankenkassen (!), die uns – wie verschiedene Medien Anfang Mai berichteten – auf Schritt und Tritt im Internet verfolgen …

Gleichzeitig müssen wir uns an die eigene Nase fassen: Ununterbrochen schenken wir Facebook, Google & Co. gigaweise Daten über unsere Standorte, Lieblingsrestaurants und politischen Einsichten. Dass diese Dienste kostenlos seien, ist «Etikettenschwindel». Aber wo es für uns bequem ist, bleibt der Datenschutz auf der Strecke.

Bisweilen muss man uns vor uns selbst schützen, und viele Unternehmen gehören bezüglich Datenschutz an die kurze Leine.

Nein – um auf die Eingangsfrage zu antworten –, die GDPR sind kein Schrott. Denn nur weil man etwas hätte besser machen können, ist es nicht grundsätzlich falsch. Es ist gut und richtig, dass diese Diskussion breit geführt wird und dass den Unternehmen ein Datenkorsett angelegt wird.

Meine Daten gehören mir. Punkt.

Ist Bequemlichkeit gefährlich?

Schon seit jeher sind persönliche Butler ein Traum vieler Menschen: Wir kennen sie aus alten Hollywoodfilmen, wo sie die Wünsche ihrer wohlsituierten Arbeitgeber von den Lippen ablesen und immer zur rechten Zeit am richtigen Ort sind – und zudem beherrschen sie die fettesten aller Limousinen. Sie vereinfachen das Leben, weil sie Dinge erledigen, die man zwar selbst machen könnte – aber man möchte doch Wichtigeres tun: idealerweise nichts.

Diener, so habe ich gelesen, üben (zumindest auf Männer) die gleiche Faszination aus wie James Bond.

Mittlerweile hat jeder von uns etliche Butler, die für uns tätig sind – zumindest wenn es um informationsbasierte Arbeiten geht: Nur heissen die heute nicht mehr «James», sondern «Siri», «Alexa», «Cortana» oder «Google Assistent», um nur vier zu nennen.

Künstliche Intelligenz (KI; engl. AI) ist in den Medien omnipräsent: Es scheint nichts zu geben, was damit nicht gelöst werden könnte – und doch ist dies eine Technologie voller Unwägbarkeiten.

Dass sich durch den Einsatz von KI neue Möglichkeiten der automatischen Datenverarbeitung eröffnen, steht ausser Frage. Wir alle nutzen tagtäglich Formen davon – und wissen es meistens nicht einmal: Etwa wenn wir im Onlinebanking unser Budget analysieren lassen, Google uns schlaue und präzise Suchergebnisse liefert oder ein Navigationssystem in Echtzeit die beste Route vorschlägt. Dabei werden – vereinfacht ausgedrückt – Daten auf Muster hin analysiert, die Ergebnisse hochgerechnet und personalisiert präsentiert.

Ob die Dienste wahnsinnig intelligent oder wir extrem einfach zu durchschauen sind, lässt sich nicht abschliessend beantworten – aber die zweite Option scheint realistischer.

Klar ist: Ein Butler weiss beträchtlich viel über uns – wir sollten nicht allen vertrauen.