Iu-sa-bi-li-ti!

Dieser Anglizismus ist für die deutsche Sprache eine Frechheit sondergleichen. Noch umständlicher aber ist die Übersetzung in „Benutzerfreundlichkeit“. Man stolpert in einem sagenhaft langen Wort über acht Vokale und bricht sich – fast wörtlich – die Zunge daran. Die Länge des Wortes widerspricht der Einfachheit der Bedeutung.

Die Diskussionen, Konzepte, Strategien und Ausführungen um den Begriff und das Wesen der „Benutzerfreundlichkeit“ oder der „Gebrauchstauglichkeit“ im Internet sind indes seit je her ausgesprochen wichtig und haben im Laufe der Zeit bestimmt zu besseren – weil einfacheren – Websites geführt. Dennoch geht es im Internet eben nicht nur um die Einfachheit von Websites, sondern in erster Linie um die Erbringung von Dienstleistungen. Und nicht nur daran hapert es leider noch vielerorts.

Auf einer Baustelle in Norddeutschland las ich vor ein paar Wochen auf einer Bautafel: „Unsere Website informiert Sie detailliert über den Baufortschritt.“ Das nahm ich selbstverständlich wörtlich und habe voller Vorfreude über den abgebildeten QR-Code mit meinem Mobiltelefon die Website aufgerufen.

Und dann war ich sprachlos.

Die aufgerufene Seite war – erstens – für mobile Endgeräte optimiert, sie erklärte – zweitens – um was es bei dieser Baustelle ging, zeigte – drittens – den momentanen Stand der Dinge auf den heutigen Tag (!) aktualisiert an und stellte – viertens – eine Kontaktperson für weiterführende Informationen vor.

Nachdem ich die Sprache wieder gefunden hatte, klickte ich auf die Telefonnummer. Der Herr am anderen Ende der Leitung freute sich gleichermassen über meinen Anruf wie ich mich über seine Website.

Dass ich dabei nur die Hälfte des Telefonats verstanden habe, hat wohl einzig mit der plattdeutschen Sprache zu tun. Die ist nämlich alles andere als einfach.

48-Mal-abgemeldet.

Ziemlich genau vor vier Jahren, im November 2008, meldete ich den Newsletter einer Westschweizer Bausanierungsfirma zum ersten Mal ab.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2012 und der Newsletter von ennet dem Röstigraben erreicht mit unverschämter – und monatlicher – Regelmässigkeit noch heute meinen elektronischen Briefkasten. Dass eine Bausanierungsfirma viel zu erzählen weiss und auch juristische und handwerkliche Tipps auf Lager hat, macht die Sache aber tatsächlich nicht besser: Denn obschon zwischen An- und Abmelden nur ein einziger Buchstabe den Unterschied macht, so ist er doch entscheidend.

Das scheint aber die dortige Datenbank nicht weiter zu interessieren. Alle paar Wochen meldet mein Mailprogramm den Eingang eines Newsletters aus dem Kanton Waadt. Und mit gleicher Regelmässigkeit überfliege ich die Tipps gegen Schimmelpilze oder die juristischen Hinweise für Asbestsanierer, um dann mit grösstmöglicher Härte auf den „Abmelden“-Link zu klicken. Aber weder sanfte noch harte Klicks haben es je geschafft, mich von diesem Newsletter zu befreien.

Letztes Jahr hat meine Computermaus – selig! – einen ausserordentlich harten Klick nicht überlebt. Und ich hätte ebendieser Firma fast eine Spesenrechnung über die Höhe meiner Computermaus und mindestens 36-Abmelde-Klicks à zwei Sekunden geschickt. Der Aufwand war mir dann aber zu gross und der mögliche Preis der Lächerlichkeit zu hoch.

Ob sich nun hinter dieser Taktik eine neue Form von Kundenbindung versteckt oder ob ich einfach zu dumm bin, um mich abzumelden, weiss ich nicht. Das ist aber auch nicht weiter schlimm.

Seit ein paar Monaten nämlich überfliege ich den Newsletter gewissermassen ganz gerne und klicke mit vollster Härte auf den „Abmelden“-Link:

Es ist eben doch Kundenbindung.

Die dritte Dimension.

Achthundertzweiundfünfzigtausend Schweizerfranken. Das ist mein Gewinn im Schweizer Lotto. Muss ich Ihnen erklären, wie sich das „Vor-Glück-in-Ohnmacht-fallen“ anfühlt? Wahrscheinlich nicht. Und dass der Staat sich einen guten Teil davon nimmt, stört auch nicht weiter.

Als guter Schweizer Bürger (aber mit italienischen Wurzeln aus Venetien) denkt man dann nicht an den schönsten Ferrari aller Zeiten oder an rohe Fischeier, sondern ganz bieder an die eigenen vier Wände. So schön, so gut.

Nun möchte ich Ihnen aber nicht über die grundlegende Schwierigkeit, im Grossraum Zürich eine geeignete Wohnung zu finden, berichten. Das ist in der Schweiz bekanntlich Allgemeinwissen und eine Kindergartenweisheit. Erstaunen tut mich aber – wohlgemerkt im Jahre 2012! – wie auf manchen Immobilienwebsites immer noch einfallslos, dürftig und ohne jede technologische Hilfe um potenzielle Käufer gebuhlt wird. Da fehlen teilweise nicht nur detaillierte Grundriss- oder Umgebungspläne, sondern auch Verfügbarkeits- oder Preislisten (!) und noch öfter sucht man vergebens nach professionell erstellten 3-D-Ansichten der Wohnungen sowie Aussichtssimulationen.

Ich frage mich dann ernsthaft, ob ich als potenzieller Kunde nicht ernst genommen werde oder vielleicht doch zu sensibel reagiere.

Aber nein: Es ist nicht arrogant, wenn man als Kunde umgarnt werden will. Immerhin ist ein Wohnungskauf für die allermeisten Menschen eine Einmal-im-Leben-Geschichte und demzufolge eine richtig grosse Sache.

Eine Immobilienwebsite muss natürlich Fakten liefern, aber sie muss auch den Träumen Platz verschaffen: Und hierzu gehören heutzutage mitunter professionell erstellte 3-D-Ansichten und Aussichtssimulationen.

Denn träumen sollte man immer dürfen – auch in einer Kolumne.