Einfach gesagt.

Der Relaunch ist ein Eingeständnis – eine Provokation.

Ein Haus, das über Jahre hinweg nicht gepflegt wird, verfällt nicht auf einen Schlag, sondern leise nach und nach: Erst klemmt ein Fenster, dann leckt das Dach, schliesslich schimmeln Wände und Böden – und wenn sich schlussendlich niemand mehr eine Reparatur zutraut, wird abgerissen und neu gebaut. Selbstverständlich mit Einweihungsfest!

Genau so läuft es in vielen Unternehmen, wenn es um die eigene Website geht.

Der Relaunch gilt als Aufbruch: frisches Design, moderne Technik, ein stolzer Beitrag auf LinkedIn. Dahinter steckt jedoch häufig eine wenig schmeichelhafte Wahrheit: Die Neugestaltung ist die notgedrungene Rechnung für all die Jahre, in denen nichts geschehen ist, in denen Inhalte veraltet sind und das System nicht mehr aktualisiert wurde.

Zugegeben, das ist eine Provokation, und sie kommt ausgerechnet aus einer Branche, die von Relaunches nicht schlecht lebt. Doch wer solche Projekte seit Jahren begleitet, der sieht, was alles vermeidbar gewesen wäre.

Denn eigentlich lässt sich eine Website behandeln wie ein bewohntes Haus: mit einem festen Posten im Budget für die regelmässige Pflege statt eines Kahlschlags alle fünf Jahre. Neu am «growth-driven design» ist vor allem die Denkweise, denn die Technologie entwickelt sich inzwischen in so grossen Schritten, dass ein Fünfjahresrhythmus nicht mehr ausreicht. Wer erst mit dem nächsten Relaunch reagiert, kommt meist zu spät.

Das heisst nicht, dass es nie wieder ein Redesign braucht – auch ein bewohntes Haus bekommt irgendwann eine neue Küche oder einen frischen Anstrich –, aber nicht jedes Mal müssen die Fundamente ausgehoben werden. Wer seine Website bewohnt, muss sie nicht abreissen.

Unspektakulär ist der neue Ansatz allerdings, und ein Fest gibt es dafür auch selten. Wieso eigentlich nicht?

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